10.08.2022

Absage an das Neun-Euro-Ticket – Gezielte Entlastungen statt Gießkannenprinzip

Die LHG Halle steht einer möglichen Verlängerung des Neun-Euro-Tickets kritisch gegenüber. Erste Studien[1] belegen, dass das Neun-Euro-Ticket seit seiner Einführung wohl vor allem für mehr Verkehr gesorgt hat, da viele Fahrten ohne dieses Angebot gar nicht erst gemacht worden wären. Auch zu einem Umstieg vom Auto auf den ÖPNV konnten nur wenige Menschen bewegt werden.

Wir sind der Überzeugung, dass es nicht Aufgabe des Staates sein kann, mit Steuergeld die Freizeitausflüge der breiten Masse zu subventionieren. Statt eines solchen Strohfeuers fordern wir langfristige, sinnvolle Investitionen in die Verbesserung der Bahn durch den Ausbau des Schienennetzes, die Einstellung neuer Fachkräfte und die Erweiterung des Streckenangebots. Dazu beitragen kann auch ausdrücklich die Zerschlagung und Privatisierung der Bahn, die zu mehr Wettbewerb und einem marktwirtschaftlich geleiteten Fortschritt im Schienenverkehr führen würden.

In der momentanen wirtschaftlichen Lage, die von Inflation, kalter Progression und unsicheren zukünftigen Entwicklungen geprägt ist, erkennt die LHG Halle allerdings die Notwendigkeit staatlicher Entlastungen an – für diejenigen, die sie wirklich benötigen. Dazu zählen vor allem auch Studierende, gerade diejenigen unter ihnen, die BAföG beziehen. Niemand sollte aufgrund unverschuldeter finanzieller Schwierigkeiten am Studieren gehindert werden. Heizkostenzuschüsse und auch Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr für einkommensschwache Studierende halten wir deshalb für sinnvoll.

In Fragen der Mobilität im Allgemeinen steht die LHG Halle dem Semesterticket zwar durchaus skeptisch gegenüber, erkennt dessen große Beliebtheit unter Studierenden jedoch an. Unter dieser Prämisse sollten mögliche Entlastungen für alle Studierenden sich in einer Verbesserung der Konditionen des Semestertickets niederschlagen, etwa durch gleichbleibend niedrige Preise oder einer Erweiterung des Gültigkeitsbereichs. Pauschale Leistungen nach dem Gießkannenprinzip lehnen wir jedoch strikt ab. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit sollten Steuergelder langfristig in eine marktwirtschaftliche Verbesserung des ÖPNV investiert und – wo notwendig – für gezielte, wirkungsvolle Entlastungen eingesetzt werden.


[1] 9-Euro-Ticket: Erste Daten deuten darauf hin, „dass mit dem 9-Euro-Ticket mehr Verkehr erzeugt“ wird – WELT

Interessenverband: Keine Verkehrswende durch 9-Euro-Ticket | MDR.DE

Studie sieht Zunahme des Verkehrs: Neun-Euro-Ticket bringt „keinen klaren Klimavorteil“ – Mobilität – Wirtschaft – Tagesspiegel