Wahlprogramm


Als Liberale steht für uns die Freiheit des Individuums an erster Stelle. Jeder Mensch, unabhängig von seinem Geschlecht, seiner Herkunft, seiner finanziellen Möglichkeiten oder seiner sexuellen Orientierung, soll alleine aufgrund seiner Fähigkeiten die Chance haben, sich im Studiengang seiner Wahl zu verwirklichen. Wir stehen für eine pragmatische Hochschulpolitik, die die Interessen der Studenten im Blick hat und nicht blind eigene ideologische Ziele verfolgt. 

1. Digitalisierung der Lehre

1.1. Vorlesungen online anbieten 

Vorlesungsaufzeichnungen bieten einen extremen Mehrwert für die meisten Studenten der MLU. Die Infrastruktur ist zwar vorhanden, wird aber häufig noch nicht genutzt. Für die finanzielle und personelle Ausstattung hat die Universität mehr Mittel bereitzustellen. Dozenten sollen verstärkt zur Wahrnehmung dieses Angebotes angeregt werden

Gerade Studenten, die eine Fächerkombination studieren, stehen häufig vor dem Problem, dass sich zwei oder mehr Veranstaltungen überschneiden. Wer beide Veranstaltungen besuchen will, muss daher unter Umständen ein Semester darauf warten. Auch dies ist ein Relikt aus Zeiten, in denen die körperliche Anwesenheit in Vorlesungen für unbedingt notwendig gehalten wurde. Zusätzlich gibt es viele Studenten, welche, um sich das Studium zu finanzieren, arbeiten, da immer mehr durch das Raster des BAföGs fallen. 

Stattdessen fordern wir, dass Vorlesungen online anzubieten und für eine begrenzte Zeit abrufbar zu machen sind. Dadurch wird nicht nur das Problem sich überschneidender Vorlesungen gelöst, Studenten können so auch ihren Tagesablauf nach eigenem Belieben gestalten. Überfüllte Hörsäle gehören damit ebenfalls der Vergangenheit an. Die technischen Voraussetzungen dafür sind an unserer Universität bereits vorhanden – sie müssen nur konsequent genutzt werden.

1.2. Lehrinhalte Digitalisieren

Wir wollen, dass Studenten lernen und arbeiten können, wann und wo sie wollen. Zu diesem Zweck ist es unabdingbar, dass deutlich mehr universitäre Arbeitsmaterialien digitalisiert und online zur Verfügung gestellt werden. Somit könnte jeder Student diese Materialien jederzeit nutzen, ohne auf einen Platz in einer überfüllten Bibliothek hoffen zu müssen. Zudem sind teure Mehrfachanschaffungen dadurch erheblich seltener notwendig. Studenten können nur mit weitgehend digitalisierten Materialien ihren Tages- und Lernplan nach Belieben bestimmen. 

Damit einher geht ein Ausbau der digitalen Infrastruktur an unserer Universität. Es ist nicht verständlich warum es immer noch viele Universitätsgebäude gibt, in denen das Uni-WLAN nicht  zuverlässig funktioniert. 

1.3. Bibliotheken

Wir setzen uns dafür ein, dass die universitären Bibliotheken mit Bücherscannern ausgestattet werden. Solange nicht alle Bücher in ausreichender Stückzahl vorhanden sind oder digitalisiert sind, müssen Studenten die Möglichkeit haben sich trotzdem auf Prüfungen vorzubereiten oder für Hausarbeiten zu recherchieren. Hierfür bieten Bücherscanner eine gute und vergleichsweise kostengünstige Alternative an.

Des Weiteren sollen im gleichen Atemzug auch mehr Lizenzen für E-Books erworben werden. In einigen Fachbereichen sind diese schon in recht großer Zahl vorhanden und wurden gut angenommen. Deshalb gibt es keinen Grund, dort nicht weiter tätig zu werden und mehr E-Book Lizenzen zu erwerben. 

Ein weiteres Problem sind überfüllte Bibliotheken in Prüfungs- und Hausarbeitenszeiten. Viele Studenten machen sich zwar täglich zeitig genug auf dem Weg, aber trotzdem sind die Bibliotheken dann bereits überfüllt, während in anderen Bibliotheken genug Plätze frei sind. Deshalb wollen wir das Konzept der „Bib-Ampeln“, welches sich bereits bei der Uni Passau als hilfreich herausgestellt hat, auch in Halle einführen. Dadurch wird Studenten Zeit erspart, da die Zahl der unnötigen Wege minimiert wird. Im Gleichen Atemzug sollen auch die „Parkuhren“ für mehr Fairness bei der Nutzung der Arbeitsplätze in Bibliotheken sorgen. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass diese durchgehend verfügbar sind und konsequent genutzt werden. Dadurch kann der Mangel an Arbeitsplätzen minimiert werden. Allerdings muss die Universität auch dafür sorgen, dass vor Ort genügend Arbeitsplätze für Studenten vorhanden sind. Es ist in unseren Augen untragbar, dass diese von Semester zu Semester knapper werden.

Außerdem soll der Zugriff auf Tageszeitungen in den Mensen aber auch online innerhalb des Uninetzwerkes möglich sein. Studenten haben häufig finanziell nicht die Möglichkeiten, sich eine qualitativ hochwertige Tageszeitung zu leisten, sollten aber trotzdem die Möglichkeit bekommen, immer up-to-date zu sein. Vor allem für einige sozialwissenschaftliche Studiengänge, wie zum Beispiel Politikwissenschaften, könnte dies den Zugang zu aktuellen Artikeln zu erleichtern.

2. BAföG elternunabhängig!

Immer mehr Studenten fallen durch das derzeitige Raster des BAföGs. Die Zahl der BAföG-Empfänger sinkt kontinuierlich. Bei immer mehr Studenten an den deutschen Hochschulen sowie der halleschen Universität ist dies paradox. Dementsprechend setzen wir uns für ein elternunabhängiges BAföG ein. Hierdurch erspart man Beziehern die unnötige Bürokratie, das monatelange Warten und die Ungewissheit. Zudem müssen so auch aktuell nicht zur Förderung berechtigte Studenten ihren Lebensunterhalt nicht mehr durch Nebenjobs erwirtschaften und können in Vollzeit studieren. Eine Anpassung der Freibeträge oder eine Erhöhung der Förderung reicht nicht aus, viele Strukturelle Probleme bleiben bestehen. Wir fordern daher, dass sich die Universität und ihre Gremien aktiv dafür einsetzen.

3. Forschungsfreiheit 

Die LHG Halle setzt sich konsequent für die vom Grundgesetz garantierte Freiheit von Forschung und Lehre ein. Alle politisch, religiös oder ideologisch motivierten Einschränkungsversuche lehnen wir klar ab. Das gilt genauso insbesondere für die Zivilklauseln. Sie öffnet Tür und Tor für externe Einflussnahme und verhindert wichtige Fortschritte in der Dual-Use-Forschung. Das schwächt den Hochschulstandort Halle enorm. 

4. Essensausgaben in den Mensen verlängern!

Viele Mensen haben lediglich bis 14:30 Uhr geöffnet und geben Essen nur bis 14:00 Uhr aus. Dies führt zu einer extrem engen zeitlichen Planung, falls es einmal passiert das eine Univeranstaltung länger dauert, der Laufweg etwas länger ist (wie zum Beispiel vom Steintorcampus zur Harzmensa) oder es andere Verzögerungen gibt. Deshalb fordern wir, die Essensausgabe an die Öffnungszeiten anzupassen und um eine halbe Stunde zu verlängern. Dadurch ergibt sich für Studenten mehr Flexibilität und weniger Zeitdruck. 

5. Anonymisierung von Prüfungsleistungen 


Die LHG fordert die umfassende Anonymisierung von schriftlichen Prüfungsleistungen. Wir sehen hierin die Möglichkeit, Sexismus, Rassismus und andere Formen der Diskriminierung bei Prüfungen zu reduzieren und auch persönliche Kontakte der Prüflinge mit den Prüfern, seien es positive oder negative, bei der Bewertung außen vorzulassen.

6. Vernünftiges Sprachenzentrum mit echten 

    Angestellten  

Nachdem die MLU das Angebot der Sprachkurse bereits qualitativ stark verbesserte hat, indem die angebotenen Kurse stark erweitert wurden, ist es nun an der Zeit, quantitativ nachzuziehen. Angesichts der fortschreitenden Globalisierung und der damit einhergehenden Internationalisierung der Studiengänge erscheint es nicht mehr zeitgemäß, dass auf einen Kurs mit 30 Teilnehmern mehr als 100 Bewerber kommen. Wir fordern deshalb, dass jeder Student, der sich sprachlich weiterbilden möchte, hierbei von der Universität unterstützt wird. Hierfür ist ein Ausbau des Sprachenzentrums notwendig. Es soll mehr festangestellte Dozenten geben, wodurch das Angebot sowohl qualitativ als auch quantitativ stark verbessert werden kann. 

7. Engagement gegen Extremismus und Gewalt 

    jeglicher Art 


Die Liberale Hochschulgruppe begrüßt ausdrücklich das Engagement gegen Rechtsextremismus, welches sich in zahlreichen StuRa-geförderten Projekten niederschlägt. Für eine Universität, die sich für Toleranz und demokratische Werte einsetzen soll, sind dies lobenswerte und notwendige Initiativen, denen sich grundsätzlich auch die Liberale Hochschulgruppe anschließt.
Leider wird darüber häufig vergessen, dass jede Art von Extremismus der Gesellschaft schadet – ganz gleich, aus welcher Motivation heraus. Wir fordern daher ein Augenmerk auf Extremismus jeder Art seitens des StuRa – egal ob rechts, links oder religiös motiviert. Ein Ansatz hierfür kann eine Arbeitsgemeinschaft sein, die sich mit den Gefahren des Extremismus aktiv auseinandersetzt. 

8. Gleichstellungsbeauftragten von ALLEN wählen 

    lassen

Wir fordern, dass eine Teilnahme an der Wahl der Gleichstellungsbeauftragten unabhängig vom Geschlecht möglich sein muss. Das derzeitige Wahlsystem verweigert Männern selbst dann die Teilnahme an der Wahl, wenn sie an der Gleichstellung von Männern und Frauen interessiert sind. Dieses Geschlechterdenken ist Nährboden für Sexismus, welchen wir entschieden ablehnen. Die Gleichstellung ALLER Studenten soll gewährleistet werden, dementsprechend muss der hierfür Beauftragte auch von allen gewählt werden. Wir fordern daher, dass sich die Universität und ihre Gremien aktiv dafür einsetzen.

9. Gegen Anwesenheitspflichten

Teilweise werden noch immer Anwesenheitspflichten in Seminaren, Übungen oder Vorlesungen gefordert. Diese lehnen wir als Liberale Hochschulgruppe entschieden ab. Jeder sollte selbst entscheiden können WO und WIE er lernt. Auch das Herumreichen von Listen, auf welchen unterschrieben werden soll um zu zeigen, dass ein Kurs auch wirklich benötigt wird, lehnen wir ab. Hierbei wird versucht künstlich Druck auszuüben. Außerdem kommen genügend andere Kurse auch ohne diese Listen aus. 

10. Bezahle, wofür du willst: Dein Geld für deine 

      Zwecke!

10.1. Keine Verschwendung von studentischen Geldern

Der Studierendenrat verfügt über ein sechsstelliges Budget pro Legislatur, woraus sich eine hohe Verantwortung gegenüber den Mitgliedern unserer Universität ergibt. Wir finden: Dieser Verantwortung wurde man in letzter Zeit nicht ausreichend gerecht. Die öffentlichkeitswirksame Debatte über vegane Lecktücher, „Toilettenhocker“ oder die Patenschaft einer Ente sind dabei nur einige Beispiele, die es auch in die regionalen Medien geschafft haben. Denn in unschöner Regelmäßigkeit ist für außenstehende nicht ersichtlich, wofür das Geld der Studenten noch ausgegeben wird – Arbeitskreise präsentieren nur unzureichende Rechnungsberichte und die Protokolle der Sitzungen geben keinen kompletten Aufschluss über die getätigten Ausgaben. Außerdem konzentrieren sich Arbeitskreise zunehmend weniger auf ihre eigentlichen Aufgaben. Dementsprechend lehnen wir auch weiterhin den Beitritt zum „freien Zusammenschluss von studentInnenschaften“ (fzs) ab, da hier kosten Anfallen, ohne einen Mehrwert zu bieten.
Daher fordern wir: 

  • Transparenz über die Finanzen des StuRa
  • Studentische Gelder für studentische Zwecke, keine Ausgaben für weltpolitische Projekte
  • Möglichkeit der Sanktionierung von Arbeitskreisen und Fachschaftsräten bei unzureichender Abrechnung wieder in die Finanzordnung aufnehmen

10.2. Fehler beim Semesterticket nicht wiederholen!

Im vergangenen Jahr wurde über die Verlängerung des verhandelten Semestertickets abgestimmt. Eine Urabstimmung ist mit Sicherheit der richtige Weg für solche wichtige Themen, allerdings wurden die Studenten erst zu spät eingebunden und nur sehr einseitig informiert.. Lediglich die Verhandlung mit dem MDV über das bereits bestehende Semesterticket schafft keinen Wettbewerb und daher eine Monopolstellung des MDV. Deshalb dürfen diese Fehler nicht erneut wiederholt werden. Wir setzen uns dafür ein, dass zum Ende des aktuellen Vertrages die Studenten bereits vor den folgenden Verhandlungen eingebunden werden. Hierfür soll eine Onlineabstimmung über verschiedene Möglichkeiten der Ausgestaltung des Semestertickets stattfinden. Über die 3 Optionen mit den meisten Stimmen soll verhandelt werden und diese dann erneut den Studenten zur Wahl gestellt werden. Dieses Vorgehen gäbe den Studenten echte Wahlmöglichkeiten, eine Beteiligung  bereits von Anfang an und einen Wettbewerb, welcher zu Vorteilen der Studenten führen würde. 

Hier gibt es das Wahlprogramm auch als PDF zum Download.